Warum moderne Tests und Biomarker die Alzheimer-Diagnostik revolutionieren Noch vor wenigen Jahren wurde die Alzheimer-Krankheit…
Teil 1: Morbus Alzheimer verstehen
Das Gedächtnis bewahren
Moderne Medizin, neue Hoffnung und warum Herz und Gehirn untrennbar zusammengehören
Liebe Leserinnen und Leser,
als Internist und Kardiologe begegne ich täglich Menschen, die ihr Herz schützen möchten. Immer häufiger sprechen wir dabei auch über das Gehirn. Und das aus gutem Grund.
Die moderne Medizin zeigt uns heute eindrucksvoll:
Herz und Gehirn sind untrennbar miteinander verbunden.
Wenn Erinnerungen langsam verblassen.
„Herr Doktor, ich habe keine Angst vor einem Herzinfarkt. Ich habe Angst, meine Frau eines Tages nicht mehr zu erkennen.“
Diesen Satz werde ich nie vergessen.
Nicht deshalb, weil er medizinisch außergewöhnlich gewesen wäre. Sondern weil er etwas ausdrückt, das wohl die meisten von uns empfinden. Die Angst, das eigene Gedächtnis zu verlieren, gehört zu den größten Sorgen des Älterwerdens.
Unser Gedächtnis macht uns zu dem Menschen, der wir sind. Es bewahrt die Stimme unserer Eltern, den ersten Schultag, den Duft frisch gebackenen Brotes bei der Großmutter, den Hochzeitstag, die Geburt der Kinder und die unzähligen kleinen Momente, die unser Leben einzigartig machen.
Erinnerungen sind weit mehr als gespeicherte Informationen. Sie sind unsere Identität. Die Vorstellung, dass all dies langsam verblassen könnte, berührt deshalb nicht nur die Betroffenen selbst, sondern ganze Familien. Kaum eine Erkrankung verändert das Leben so nachhaltig wie Morbus Alzheimer.
Und doch möchte ich Ihnen gleich zu Beginn eine wichtige Botschaft mitgeben:
Noch nie wussten wir so viel über Morbus Alzheimer wie heute. Noch nie konnten wir die Erkrankung so früh erkennen. Und noch nie gab es so viele Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen.
Eine Erkrankung, die uns alle betrifft
Mit der steigenden Lebenserwartung nimmt auch die Zahl der Menschen mit Demenz zu. Allein im deutschsprachigen Raum leben heute mehrere hunderttausend Betroffene, und jedes Jahr kommen viele neue Diagnosen hinzu.
Eine Revolution in der Alzheimerforschung
Die eigentliche Erkrankung beginnt häufig 15 bis 20 Jahre, bevor Angehörige überhaupt Veränderungen bemerken.
Diese Erkenntnis hat die Medizin revolutioniert.
Denn was Jahrzehnte früher beginnt, kann möglicherweise auch Jahrzehnte früher erkannt werden. Genau deshalb beschäftigen sich Wissenschaftler heute intensiv mit neuen Bluttests, hochauflösenden Bildgebungsverfahren und Medikamenten, die direkt in den Krankheitsprozess eingreifen.
Warum ich als Kardiologe über Alzheimer schreibe
Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle, weshalb ausgerechnet ein Kardiologe einen Artikel über Morbus Alzheimer verfasst. Die Antwort ist denkbar einfach: Weil Herz und Gehirn viel enger zusammengehören, als wir es in der Medizin lange Zeit angenommen haben.
In meiner täglichen Arbeit behandle ich Menschen mit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und koronarer Herzkrankheit. Früher dachte man bei diesen Diagnosebildern vor allem an die Vermeidung von Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Heute wissen wir jedoch, dass dieselben Erkrankungen auch unser Gehirn maßgeblich beeinflussen:
Bluthochdruck schädigt keineswegs nur die Herzkranzgefäße, sondern ebenso die feinsten Blutgefäße unseres Denkorgans. Vorhofflimmern erhöht nicht nur das Schlaganfallrisiko, sondern steht auch in direktem Zusammenhang mit einem erhöhten Demenzrisiko. Diabetes betrifft nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern verändert langfristig auch die Nährstoffversorgung der Nervenzellen.
Eine Herzschwäche beeinträchtigt nicht nur die körperliche Belastbarkeit, sondern unter Umständen auch Konzentration und Gedächtnis.
In der modernen Medizin sprechen wir deshalb von einer Herz-Hirn-Achse. Sie beschreibt eine Erkenntnis, die ebenso einfach wie faszinierend ist: Was dem Herzen guttut, schützt fast immer auch das Gehirn.
Diese Botschaft wird Sie wie ein roter Faden durch den gesamten Artikel begleiten, denn sie gehört zu den wichtigsten Erkenntnissen der heutigen Medizin. Wir können heute wesentlich früher handeln als jede Generation vor uns – und genau darin liegt unsere größte Hoffnung.
Wussten Sie schon?
Unser Gehirn macht nur rund 2 Prozent unseres Körpergewichts aus.
Trotzdem verbraucht es etwa 20 Prozent der gesamten Energie unseres Körpers.
Damit gehört es zu den am besten durchbluteten Organen.
Ein gesundes Herz ist deshalb eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gesundes Gehirn.
Morbus Alzheimer beginnt nicht mit dem Vergessen. Die Erkrankung beginnt viele Jahre früher – oft unbemerkt. Genau deshalb sind Früherkennung und Vorbeugung heute wichtiger denn je.

Das Wunder Gehirn – warum Erinnerungen unser wertvollster Schatz sind
Stellen Sie sich einen Moment lang vor, Sie könnten morgen früh aufwachen – und sich nicht mehr daran erinnern, wer Sie sind: nicht an den ersten Schultag, nicht an den Menschen, den Sie lieben, nicht an die Geburt Ihrer Kinder, nicht an Ihren schönsten Urlaub und nicht einmal mehr an Ihren eigenen Namen.
Alle diese Erinnerungen machen uns erst zu dem Menschen, der wir sind. Sie erzählen unsere persönliche Lebensgeschichte. Ohne sie verlieren wir nicht nur reine Informationen – wir verlieren einen Teil unserer Persönlichkeit.
Unser Gedächtnis ist deshalb weit mehr als eine biologische Funktion: Es ist das Fundament unserer Identität.
Doch wie schafft es unser Gehirn eigentlich, ein ganzes Leben voller Eindrücke, Gesichter, Stimmen und Gefühle dauerhaft zu speichern? Die Antwort darauf ist faszinierend.
Ein Universum in unserem Kopf
Unser Gehirn wiegt gerade einmal etwa 1,3 bis 1,5 Kilogramm – ungefähr so viel wie ein kleiner Blumenkohl. Trotzdem gehört es zu den komplexesten Strukturen, die die Natur jemals hervorgebracht hat. Es besteht aus rund 86 Milliarden Nervenzellen, von denen jede einzelne mit Tausenden anderen vernetzt ist. Insgesamt entstehen dadurch schätzungsweise mehr als 100 Billionen Verknüpfungen – ein gigantisches Netzwerk, das leistungsfähiger ist als jeder heute existierende Supercomputer.
Während Sie diesen Artikel lesen, arbeiten Milliarden dieser Nervenzellen gleichzeitig zusammen: Einige entschlüsseln die Buchstaben vor Ihren Augen, andere ordnen die Wörter zu sinnvollen Sätzen, und wieder andere vergleichen den Inhalt direkt mit Ihren eigenen Erfahrungen und Erinnerungen. Innerhalb von Sekundenbruchteilen entsteht daraus tiefes Verständnis – etwas, das für uns im Alltag selbstverständlich erscheint, in Wirklichkeit aber eine biologische Meisterleistung unseres Gehirns ist.
Ein Organ, das niemals Pause macht
Selbst, wenn wir tief schlafen, arbeitet unser Gehirn ununterbrochen weiter: Es steuert den Herzschlag, reguliert die Atmung, verarbeitet Sinneseindrücke, sortiert Erinnerungen und kontrolliert dabei gleichzeitig Milliarden chemischer sowie elektrischer Signale. Ob wir lachen, weinen, musizieren, Auto fahren oder einen geliebten Menschen umarmen – an allen Prozessen unseres Lebens ist das Gehirn maßgeblich beteiligt.
Kein anderes Organ unseres Körpers verbraucht dabei so viel Energie: Obwohl das Gehirn nur rund zwei Prozent unseres Körpergewichts ausmacht, benötigt es etwa 20 Prozent des gesamten Sauerstoffs und der verfügbaren Energie.
Diese enorme Stoffwechselleistung erklärt, weshalb bereits kleinste Durchblutungsstörungen langfristig spürbare Folgen haben können – und genau deshalb spielt das Herz für die Gesundheit unseres Gehirns eine so entscheidende Rolle.

Der Hippocampus – der Bibliothekar unseres Lebens
Tief im Inneren des Gehirns liegt eine kleine Struktur mit einem ungewöhnlichen Namen: der Hippocampus. Seinen Namen verdankt er seiner charakteristischen Form, die an ein kleines Seepferdchen erinnert.
Der Hippocampus übernimmt eine Aufgabe, die man kaum überschätzen kann: Wie ein Bibliothekar unseres Gehirns entscheidet er täglich darüber, welche Erlebnisse dauerhaft gespeichert werden und welche wieder vergessen werden dürfen. Er nimmt ständig neue Informationen entgegen, sortiert sie, verbindet sie mit ….
Den vollständigen Artikel können Sie in unserem Herzjournal weiterlesen.
QUELLE: DR. MED. MBA LL.M. MBP FSCAI HUBERT WALLNER
