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Digitale Herz­gesundheit

(Priv.-Doz. Dr. Dr. med. Mahdi Sareban, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Sportmedizin, Reha­bili­tations­wesen (D))

Die digitale Medizin eröffnet neue Möglichkeiten.

Die Häufigkeit von Herz­kreis­lauf­erkrankungen nimmt in Österreich kontinuierlich zu. Die COVID-19 Pandemie beschleunigt zurzeit diese Entwicklung, da Risiko­faktoren wie ein inaktiver Lebensstil und eine ungesunde Ernährungs­weise verstärkt werden, Arzt­termine gar nicht oder nur verzögert wahrgenommen werden, aber auch bedingt durch den emotionalen Stress der unweigerlich mit einer Pandemie- aber auch weiteren Krisen­situation einhergeht. Unser Gesundheitssystem muss sich daher auf eine Welle an Personen mit Herz­kreis­lauf­erkrankungen vorbereiten. Sowohl in unserem Universitäts­institut für präventive und reha­bilitative Sport­medizin, wo wir medizinische Trainings­therapie für Herz­patienten aber auch für Post-COVID Patienten anbieten, als auch in unserem Reha Zentrum Salzburg am Uniklinikum sehen wir bereits vermehrt solche Personen. Vorbeugend müssen alle Akteure des Gesundheits­wesens, Personen mit erhöhtem Risiko oder bereits diagnos­tizierter Herz-Kreis­lauferkrankung ermöglichen, ihre individuellen Risiko­faktoren positiv zu beeinflussen.

Die digitale Medizin eröffnet hierfür neue Möglichkeiten. Eine Umfrage konnte zeigen, dass 80% von Personen mit einer Herz-Kreislauferkrankung ein Smartphone besitzt, aber nur die Hälfte davon das Smartphone nutzt, um Gesundheitsdaten zu sammeln oder Gesundheitsentscheidungen zu treffen. Dabei können z.B. mit Smartphones Daten zum Umfang der körperlichen Aktivität gesammelt werden. Neueste Ansätze ermöglichen aus diesen Daten in Kombination mit Angaben zum Alter und dem Gewicht eine Einschätzung der körperlichen Fitness, die einen besonders hohen Vorhersagewert für die Sterbewahrscheinlichkeit und somit zur Risikoeinschätzung besitzt. Tragbare Sensoren wie z.B. eine Smartwatch ermöglichen eine durchgängige Beurteilung von biologischen Daten, wie der Herzfrequenz, wodurch die Risikoeinschätzungen weiter verbessert werden kann. Immerhin besitzen etwa 40% von Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen solch eine Smartwatch. Die Informationen von Smartphone und/oder Smartwatch können als Grundlage für digitale Gesundheitsinterventionen, sogenannten Gesundheits-Apps, genutzt werden.

Das Ziel von Gesundheits-Apps bei Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen ist häufig einen herzgesunden Lebensstil zu erreichen. Die meisten Apps zielen auf eine Steigerung der körperlichen Aktivität ab, aber auch zahlreiche Apps zur herzgesunden Ernährung, Nikotinentwöhnung, Steigerung der Medikamenteneinnahmetreue lassen sich finden. Solche Apps nutzen üblicherweise etablierte psychologische Modelle im Rahmen der App-Entwicklung, wie z.B. die Möglichkeit das eigene Verhalten (z.B. zurückgelegte Schritte am Tag) anhand von gemessenen Daten zu überwachen, eine gemeinsame mit einem Gesundheitsexperten vereinbarte Trainingsplanung und Zieldefinition (z.B. ich will jeden Tag 10,000 Schritte gehen), automatisierte Rückmeldung zu einer Bewegungseinheit, aber auch Informationen zur Steigerung der Gesundheitskompetenz (z.B. was ist herzgesundes Bewegungsverhalten).

Angesichts der großen Zahl an Gesundheits-Apps in diversen App-Stores, ist es wesentlich zu prüfen, ob eine wissenschaftliche Studie deren Effektivität bzw. Nutzen nachweisen konnte. An unserem Ende 2019 in Salzburg gegründeten Ludwig Boltzmann Institut für digitale Gesundheit und Prävention arbeitet ein interdisziplinäres Team von Gesundheits- und InformationstechnologieexpertInnen aber auch herzkranken Personen und entwickelt solche digitale Gesundheitsinterventionen. Dazu zählt unter anderem eine Gesundheits-App die eine partizipative, also gemeinsame Entscheidungsfindung mit GesundheitsexpertInnen für die Steigerung der körperlichen Aktivität bei Personen mit oder erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erleichtern soll. Das Ludwig Boltzmann Institut für digitale Gesundheit und Prävention sucht laufend nach Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen, um die neu entwickelten Gesundheits-Apps weiterzuentwickeln (Kontaktinformation finden Sie im nebenstehenden Kästchen).

Die digitale Revolution hat das Gesundheitswesen erreicht und eröffnet neue Möglichkeiten die Versorgungs- und auch die Lebensqualität von Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen zu verbessern. Es braucht jedoch innovative Ansätze, ein professionelles Forschungsnetzwerk aber auch interessierte Betroffene, um das Potential der digitalen Revolution zu nutzen.

 

Priv.-Doz. Dr. Dr. med. Mahdi Sareban | Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Sportmedizin, Rehabilitationswesen (D)

Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin
Ludwig Boltzmann Institut für digitale Gesundheit und Prävention | Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg

 

 

 

 

 

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Haben Sie Interesse, sich in die Forschung des Ludwig Boltzmann Instituts für digitale Gesundheit und Prävention einzubringen?

Schnuppern Sie gerne einmal bei uns in den wissenschaftlichen Betrieb!
Wir informieren regelmäßig über Möglichkeiten zur Teilnahme an Studien, aber auch Aktivitäten zum „Mit-Forschen“ unter freundlicher und kundiger Anleitung unserer WissenschaftlerInnen.

Bei Interesse kontaktieren Sie gerne und unverbindlich Veronika Leitner (E-Mail: veronika.leitner@dhp.lbg.ac.at) oder Tino Kulnik (Tel.: 057 255 – 82712, E-Mail: tino.kulnik@dhp.lbg.ac.at).

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