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Bluthochdruck verstehen, Herzverband Salzburg

Blutbild von A-Z: Teil 5 M bis R

Die Zusammensetzung des Blutes kann dem Arzt wichtige Hinweise auf vorliegende Erkrankungen liefern, denn viele Krankheitsbilder verändern die Menge der im Blut treibenden Zellen oder der darin gelösten Substanzen. Eine Blutanalyse, ein so genanntes Blutbild, ist ein unersetzliches Hilfsmittel zur Krankheitsdiagnose.

1. Magnesium

Warum wird der Magnesium-Wert gemessen?
Magnesium (Mg) ist ein lebenswichtiger Mineralstoff für den Menschen. Es ist an vielen Enzymreaktionen im Körper beteiligt. Pro Tag benötigt der Mensch etwa 300 Milligramm Magnesium. Dieser Bedarf wird in der Regel durch eine ausgewogene Ernährung mit Vollkornbrot, Nüssen und Gemüse (Blattspinat, Kohlrabi) gedeckt.

Magnesiummangel kann zu Ruhelosigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, allgemeinem Schwächegefühl, Herzrhythmusstörungen und Muskelkrämpfen führen.

Welchen Magnesium-Wert sollten Männer aufweisen?
Untergrenze: 1,8 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)
Obergrenze: 2,6 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)
bzw.
Untergrenze: 0,73 Millimol pro Liter (mmol/l)
Obergrenze: 1,06 Millimol pro Liter (mmol/l)

Welchen Magnesium-Wert sollten Frauen aufweisen?
Untergrenze: 1,9 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)
Obergrenze: 2,5 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)
bzw.
Untergrenze: 0,77 Millimol pro Liter (mmol/l)
Obergrenze: 1,03 Millimol pro Liter (mmol/l)

Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige Magnesium-Werte können auf eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Übersäuerung des Bluts (diabetische Ketoazidose) hindeuten. Auch die Einnahme von harntreibenden Medikamenten (Diuretika) kann den Wert verringern. Bei Alkoholmissbrauch oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen kann die Magnesium-Aufnahme aus dem Darm gestört sein.

Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe Magnesium-Werte können auf einen Zerfall der roten Blutkörperchen (Hämolyse) oder eine Nierenschwäche hindeuten. Auch bei übermäßiger Einnahme von säurehemmenden Magenmedikamenten (Antazida), die viel Magnesium enthalten, können die Werte erhöht sein.

 

2. Mittleres korspuskuläres Volumen (MCV)

Warum wird das korpuskuläre Volumen gemessen?
Das Mittlere korpuskuläre Volumen (MCV) ist das durchschnittliche Volumen eines einzelnen roten Blutkörperchens. Es errechnet sich aus dem Quotienten aus Hämatokrit-Wert und der Erythrozyten-Anzahl (MCV = Hkt / Ery-Anzahl).

Welches korpuskuläre Volumen sollten Männer aufweisen?
Untergrenze: 85 Femtoliter (fl)
Obergrenze: 95 Femtoliter (fl)

Welches korpuskuläre Volumen sollten Frauen aufweisen?
Untergrenze: 85 Femtoliter (fl)
Obergrenze: 95 Femtoliter (fl)

Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige MCV-Werte können auf Blutarmut (Anämie) durch Eisen-, Kupfer- oder Vitamin-B6-Mangel hindeuten.

Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe MCV-Werte können auf Blutarmut durch Folsäure- oder Vitamin-B12-Mangel, Leberzirrhose oder Alkoholismus hindeuten.

 

3. Natrium

Warum wird der Natrium-Wert gemessen?
Natrium (Na) liegt im Körper in Form von elektrisch geladenen Teilchen, so genannten Ionen vor. Es ist ein wichtiger Mineralstoff für den Wasserhaushalt. Darüber hinaus benötigen die Körperzellen Natrium-Ionen, um die elektrische Spannung in den Zellen aufrecht zu erhalten.

Der Natrium-Wert kann bei Störungen im Wasser- oder Elektrolythaushalt verändert sein.

Welchen Natrium-Wert sollten Männer aufweisen?
Untergrenze: 135 Millimol pro Liter (mmol/l)
Obergrenze: 145 Millimol pro Liter (mmol/l)

Welchen Natrium-Wert sollten Frauen aufweisen?
Untergrenze: 135 Millimol pro Liter (mmol/l)
Obergrenze: 145 Millimol pro Liter (mmol/l)

Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige Natrium-Werte können auf Morbus Addison, Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion, Leberzirrhose, Erbrechen oder Durchfall hindeuten.

Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe Natrium-Werte können auf Wasserverlust im Körper ohne Elektrolytverlust (z.B. bei starkem Schwitzen), unzureichender Flüssigkeitsaufnahme, Diabetes insipidus, erhöhten Blutzuckerspiegel, Fieber oder eine Erkrankung der Nebennieren (Conn-Syndrom) hindeuten.

 

4. Phosphat

Warum wird der Phosphat-Wert gemessen?
Phosphate sind Baustein vieler wichtiger Moleküle, z.B. der Erbsubstanz DNA oder des Energielieferanten ATP, und wird oft bei Enzymreaktionen im Körper benötigt. Es verbindet sich mit Kalzium-Ionen zu so genanntem Kalziumapatit und trägt so zur hohen Festigkeit von Knochen bei. Phosphate in der Nahrung sind „Kalziumräuber“, da sie die Ausschleusung von Kalzium aus den Knochen fördern und gleichzeitig die Kalziumaufnahme aus der Nahrung im Darm senken.

Welchen Phosphat-Wert sollten Männer aufweisen?
Untergrenze: 2,5 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)
Obergrenze: 5,0 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)
bzw.
Untergrenze: 0,84 Millimmol pro Liter (mmol/l)
Obergrenze: 1,45 Millimmol pro Liter (mmol/l)

Welchen Phosphat-Wert sollten Frauen aufweisen?
Untergrenze: 2,5 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)
Obergrenze: 5,0 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)
bzw.
Untergrenze: 0,84 Millimmol pro Liter (mmol/l)
Obergrenze: 1,45 Millimmol pro Liter (mmol/l)

Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige Phosphat-Werte können auf eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Resorptionsstörungen im Darm (Malabsorptionssyndrom), Vitamin-D-Mangel, Phosphat-Diabetes oder eine Nierenerkrankung (renal tubuläre Azidose) hindeuten. Auch unter der Einnahme von Medikamenten, die die Säure im Magen neutralisieren (Antazida) und Aluminiumhydroxid enthalten können die Phosphat-Werte sinken.

Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe Phosphat-Werte können auf eine Nierenschwäche oder eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen hindeuten. Auch phosphathaltige Medikamente können die Phosphat-Werte erhöhen.

 

5. pH-Wert

Warum wird der pH-Wert gemessen?
Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch eine wässrige Lösung ist. Der Begriff leitet sich von den lateinischen Bezeichnungen „pondus hydrogenii oder „potentia hydrogenii (pondus = Gewicht; potentia = Kraft; hydrogenium = Wasserstoff) ab.

pH < 7 entspricht einer Lösung mit saurer Wirkung
pH = 7 entspricht einer neutralen Lösung
pH > 7 entspricht einer alkalischen Lösung (basische Wirkung)

Dies gilt allerdings nur für reines Wasser und verdünnte Lösungen bei 25 °C. Der pH-Wert in verschiedenen Körperflüssigkeiten des Menschen ist unterschiedlich. Im Magen liegt z.B. ein saurer pH-Wert vor, auch in der Vagina der Frau ist der pH-Wert zur Abwehr von Krankheitserregern sauer. Blut besitzt einen pH-Wert von ungefähr 7,4 (s. unten), Urin von etwa 6 (5 bis 9).

Welchen pH-Wert sollten Männer aufweisen?
Untergrenze: 7,37
Obergrenze: 7, 45

Welchen pH-Wert sollten Frauen aufweisen?
Untergrenze: 7,37
Obergrenze: 7, 45

Was bedeuten zu niedrige Werte?
Ein zu niedriger (saurer) pH-Wert (Azidose) kann auf ein diabetisches Koma, Nierenerkrankungen (Nierenschwäche, tubuläre Azidose), Vergiftungen (Salizylate, Methylalkohol, Glykol u.a.) oder Durchfall hindeuten. Auch bei Hungerzuständen, im Schock, bei Sauerstoffmangel und bei Atemstörungen kann der pH-Wert sinken. Dauerhafter Alkoholmissbrauch kann ebenfalls zu einem sauern pH-Wert führen.

Was bedeuten zu hohe Werte?
Ein zu hoher (basischer) pH-Wert (Alkalose) kann auf Erbrechen, Störungen im Gehirn, eine Hormonstörung (Conn-Syndrom) oder einen Schock hindeuten. Außerdem kann der pH-Wert bei einer übermäßigen Atmung (Hyperventilation) ansteigen, z.B. bei Aufregung oder Sauerstoffmangel. Eine Behandlung mit harntreibenden Mitteln (Diuretika), Hormonen (Mineralokortikoiden) oder Osteoporose-Medikamenten (Bikarbonaten) kann ebenfalls zu einem Anstieg des pH-Wertes im Blut führen.

6. Prostataspezifisches Antigen (PSA)

Warum wird der PSA-Wert gemessen?
Das Prostataspezifische Antigen (PSA) wird in der Prostata des Mannes produziert und mit dem Ejakulat ausgeschieden. Der PSA-Wert kann bei bösartigen, aber auch bei gutartigen Geschwülsten in der Prostata erhöht sein. Das Prostata-spezifische Antigen ist ein Tumormarker, der zur Kontrolle einer Prostatakrebs-Erkrankung und ihrer Behandlung bestimmt wird.
Eine routinemäßige PSA-Wertbestimmung ist umstritten. Denn häufig ist der Wert erhöht, ohne dass ein Krebsgeschwür in der Prostata vorliegt (falsch positiver Befund). Außerdem haben viele Patienten mit Prostatakrebs PSA-Werte unter dem Grenzwert von 4 Nanogramm pro Milliliter. Bei einem PSA-Wert von über 4ng/ml sind auf jeden Fall weitere Untersuchungen notwendig.

Welchen PSA-Wert sollten Männer aufweisen?
Untergrenze: –
Obergrenze: 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml)

Welchen PSA-Wert sollten Frauen aufweisen?
Untergrenze: –
Obergrenze: –

Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige PSA-Werte haben keine medizinische Bedeutung.

Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe PSA-Werte können auf einen bösartigen Tumor der Prostata, Entzündung der Prostata, eine gutartige Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie) oder ein Adenom der Prostata hindeuten. Auch nach einer Tastuntersuchung durch den Arzt (rektale Palpation) kann der Wert erhöht sein.

7. Retikulozyten

Warum wird die Retikulozyten-Anzahl gemessen?
Retikulozyten sind Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten).
Welche Retikulozyten-Anzahl sollten Männer aufweisen?
Untergrenze: 3 Stück pro 1000 Erythrozyten
Obergrenze: 18 Stück pro 1000 Erythrozyten
bzw.
Untergrenze: 30.000 Stück pro Mikroliter Blut
Obergrenze: 100.000 Stück pro Mikroliter Blut
bzw.
Untergrenze: 0,5%
Obergrenze: 1,5%

Welche Retikulozyten-Anzahl sollten Frauen aufweisen?
s. Männer.

Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige Retikulozyten-Werte können auf eine verringerte Blutbildung hindeuten, z.B. bei einer besonderen Form der Blutarmut (aplastische Anämie).

Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe Retikulozyten-Werte können auf eine gesteigerte Blutbildung hindeuten, z.B. nach Blutverlust oder bei einer Blutarmut (hämolytische Anämie).

8. Rheumafaktor

Warum wird der Rheumafaktor gemessen?
Der Rheumafaktor (RF) ist ein Antikörper gegen das körpereigene Immunglobulin G. Er selbst gehört zu den Immunglobulinen IgM, IgG, IgA oder IgE. Der Rheumafaktor ist Teil der Rheuma-Diagnose: Bei etwa der Hälfte der Patienten mit rheumatoider Arthritis ist er positiv. Er kann aber auch bei anderen Erkrankungen des Muskel- oder Skelettsystems erhöht sein.

Nicht jeder mit hohem Rheumafaktor im Blut, leidet jedoch tatsächlich an Rheuma. Der Wert kann auch ohne Rheuma erhöht sein bzw. manche Rheumatiker haben normale Werte. Er ist bei etwa 5% der gesunden Menschen unter 50 Jahren sowie bei bis zu 15% und 10% der 70-jährigen Frauen bzw. Männer positiv.

Welchen Rheumafaktor sollten Männer aufweisen?
Untergrenze: –
Obergrenze: 10 bzw. 20 Internationale Einheiten pro Milliliter (International Units pro Milliliter, IU/ml), je nach Messmethode

Welchen Rheumafaktor sollten Frauen aufweisen?
Untergrenze: –
Obergrenze: 10 bzw. 20 Internationale Einheiten pro Milliliter (International Units pro Milliliter, IU/ml), je nach Messmethode

Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige Rheumafaktor-Werte haben keine medizinische Bedeutung.

Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe Rheumafaktor-Werte können auf eine rheumatoide Arthritis, systemischen Lupus erythematodes sowie weitere rheumatoide Erankungen hindeuten, z.B. Mischkollagenosen, Sklerodermie, Sicca-Syndrom, essentielle oder ein Sjögren-Syndrom. Auch bei einer Gefäßentzündung (Kryoglobulinämie), Leberzirrhose oder einer chronische Leberentzündungen (Hepatitis) kann der Rheumafaktor erhöht sein.

Es gibt darüber hinaus eine Reihe von Erkrankungen, die den Rheumafaktor erhöhen, ohne dass eine rheumatoide Erkrankung vorliegt (falsch positive Werte):
Dies kann der Fall sein bei nichtrheumatischen chronisch-entzündlichen Erkrankungen, wie eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis), Tuberkulose, Salmonellose, Syphilis, akuten Virus- oder Parasiteninfektionen. Auch bei einer übermäßigen Bildung von Immunglobulinen (Hypergammaglobulinämie), bösartigen Tumoren sowie nach Bestrahlung oder Chemotherapie kann der Rheumafaktor erhöht sein.

 

QUELLE:
DR. MED. MBA LL.M. MBP FSCAI
HUBERT WALLNER
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