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Blutbild von A-Z: Teil 4 L bis L
Die Zusammensetzung des Blutes kann dem Arzt wichtige Hinweise auf vorliegende Erkrankungen liefern, denn viele Krankheitsbilder verändern die Menge der im Blut treibenden Zellen oder der darin gelösten Substanzen. Eine Blutanalyse, ein so genanntes Blutbild, ist ein unersetzliches Hilfsmittel zur Krankheitsdiagnose.
1. Laktat-Dehydrogenase (LDH)
Warum wird der Laktat-Dehydrogenase-Wert gemessen?
Die Laktat-Dehydrogenase (LDH) ist ein Enzym, das Pyruvat in Laktat umwandelt. Es befindet sich im Zellinneren fast aller Zellen. Der Mensch besitzt 5 verschiedene Laktatdehydrogenasen. LDH-1 und LDH 2 kommen vor allem im Herzen, in den Nieren und den roten Blutkörperchen vor. LDH-3 in Milz, Lunge, Lymphknoten, Blutplättchen und Hormondrüsen. LDH-4 und LDH-5 in der Leber und im Skelettmuskel.
Werden Körperzellen zerstört, wird die Laktat-Dehydrogenase freigesetzt und gelangt ins Blut. Ein erhöhter LDH-Spiegel im Blut weist also auf absterbende Zellen hin.
Welchen Laktat-Dehydrogenase-Wert sollten man aufweisen?
Untergrenze: 135 Einheiten pro Liter (Units pro Liter, U/l)
Obergrenze: 225 Einheiten pro Liter (Units pro Liter, U/l)
Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige LDH-Werte haben keine medizinische Bedeutung.
Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe LDH-Werte können auf einen Herzinfarkt, Lungenembolie, akute Leberentzündung (Hepatitis), Blutarmut (hämolytische Anämien), Krebserkrankungen oder Muskelentzündungen (Myositis) hindeuten. Auch nach Unfällen oder Operationen können die Werte erhöht sein.
2. LDL-Cholesterin
Warum wird der LDL-Cholesterin-Wert gemessen?
Nach der Aufnahme von Cholesterin mit der Nahrung wird es aus dem Darm ins Blut aufgenommen und dort von Fettpartikeln in die Körperzellen transportiert. Das Cholesterin, das der Körper selbst in der Leber produziert, wird an bestimmte Eiweiße (Lipoproteine) gebunden und von der Leber zu den Körperzellen oder von dort zur Leber transportiert.
Je nach ihrer Dichte bzw. ihrer Schnelligkeit unterscheidet man verschiedene Lipoproteine: very low density lipoproteins (VLDL), low density lipoproteins (LDL), intermediary density lipoproteins (IDL) und high densitiy lipoproteins (HDL). VLDL, LDL und IDL transportieren das von der Leber produzierte Cholesterin zu den Körperzellen. Das HDL nimmt Cholesterin von den Körperzellen auf und bringt es zur Leber zurück.
LDL wird häufig als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet, HDL als „gutes“ Cholesterin. Das Verhältnis von LDL zu HDL bestimmt, wie hoch das Risiko für eine Arteriosklerose ist.
Welchen LDL-Cholesterin-Wert sollten man aufweisen?
Untergrenze: –
Obergrenze: Die Obergrenze hängt vom Vorhandensein weiterer Risikofaktoren ab. Je nachdem, welche und wie viele Risikofaktoren vorhanden sind, werden Werte von mehr als 100, 125 oder 155 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) als Obergrenze empfohlen. Dies entspricht 2,59 bzw. 3,23 und 4,0 Millimol pro Liter (mmol/l).
Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige LDL-Cholesterin-Werte haben keine medizinische Bedeutung.
Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe LDL-Cholesterin-Werte können auf ein erhöhtes Arteriosklerose-Risiko, Gallenstau oder eine Harnvergiftung (Urämie) hindeuten. Auch eine Therapie mit Steroidhormonen oder Gelbkörperhormonen (Gestagenen) kann den LDL-Wert erhöhen.
3. Leukozyten
Warum wird die Leukozyten-Anzahl gemessen?
Leukozyten (Leukos) gehören zu den weißen Blutkörperchen. Sie werden in der Thymusdrüse und dem Knochenmark gebildet und gelangen durch den Blut- und den Lymphstrom in alle Regionen des Körpers. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Leukozyten-Klassen, die jeweils eigene Aufgaben bei der Immunabwehr wahrnehmen (z.B. Lymphozyten, Dendritische Zellen, Granulozyten, Makrophagen).
Leukozyten wehren Krankheitserreger ab und spielen damit eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr. Viele Leukozyten im Blut deuten daher auf eine Infektion oder Entzündung hin.
Welche Leukozyten-Anzahl sollten man aufweisen?
Untergrenze: 3.800 pro Mikroliter Blut
Obergrenze: 10.500 pro Mikroliter Blut
Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige Leukozyten-Werte können auf Autoimmunerkrankungen, Krebserkrankungen, Erkrankungen des Knochenmarkes oder Virusinfektionen hindeuten. Auch manche Medikamente (wie z.B. bestimmte Schmerzmittel, Rheumamedikamente oder das Antibiotikum Chloramphenicol) können die Anzahl der Leukozyten erniedrigen.
Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe Leukozyten-Werte können auf Infektionskrankheiten (vor allem durch Bakterien), Leukämie oder ein Behandlung mit Kortison hindeuten. Auch bei Rauchern, unter Stress, in der Schwangerschaft und bei körperlicher Belastung kann die Leukozyten-Anzahl erhöht sein. Zudem können auch manche Medikamente (neben Kortison z.B. Lithium, Sulfonamide und Mittel gegen Epilepsie) die Anzahl der Leukozyten erhöhen.
4. Lipase
Warum wird der Lipase-Wert gemessen?
Lipasen sind Enzyme, die Fette (Lipide) zu Glyzerin und freien Fettsäuren aufspalten. Im menschlichen Körper kommen verschiedene Lipasen vor. Für die Labordiagnostik ist vor allem die Pankreaslipase wichtig: Sie zeigt an, ob die Bauchspeicheldrüse genügend Verdauungssekret produziert oder ob ihr Ausführungsgang blockiert ist.
Welchen Lipase-Wert sollte man aufweisen?
Untergrenze: 13 Einheiten pro Liter (Units pro Liter, U/l)
Obergrenze: 60 Einheiten pro Liter (Units pro Liter, U/l)
Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige Lipase-Werte haben keine medizinische Bedeutung.
Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe Lipase-Werte können auf eine akute oder chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), Nierenschwäche oder chronischen Alkoholkonsum hindeuten. Auch nach einer Röntgenuntersuchung der Gallengänge (ERCP) und bei Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden, können die Werte erhöht sein.
5. Lipoprotein a
Warum wird der Lipoprotein-a-Wert gemessen?
Lipoprotein a ist ein Eiweißkörper, der Cholesterin ähnlich wie das Low Density Lipoprotein (LDL) im Blut transportiert. Es kann entzündliche Prozesse in den Blutgefäßen hervorrufen und Ablagerungen an den Gefäßwänden – so genannte Plaques – destabilisieren. Insbesondere bei Patienten, die trotz gut eingestellter Blutfettwerte immer wieder unter Gefäßerkrankungen leiden, kann Lipoprotein a die Ursache der Beschwerden sein. Wenn sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen innerhalb einer Familie häufen oder besonders früh auftreten, sollte deshalb nicht nur das LDL-Cholesterin, sondern immer auch der Lipoprotein-a-Wert bestimmt werden.
Die Konzentration im Blut ist genetisch festgelegt und ist unabhängig von den Spiegeln anderer Blutfette. Sie kann auch nicht durch einen veränderten Lebensstil (cholesterinarme Ernährung, körperliche Bewegung) beeinflusst werden.
Erhöhte Werte über 75 nmol/l Blut können eine Verengung von Arterien und darüber hinaus die Entstehung von Thrombosen fördern und so zu lebensbedrohlichen Gefäßkomplikationen führen. Das Lipoprotein a gibt somit in Kombination mit einem hohen LDL-Wert Auskunft über das Arteriosklerose-Risiko.
Welchen Lipoprotein-a-Wert sollten man aufweisen?
Obergrenze: 75 nmol/l
Was bedeuten zu niedrige Werte?
Zu niedrige Lipoprotein-a-Werte können auf eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Behandlung mit Hormonen (Östrogenen) hindeuten.
Was bedeuten zu hohe Werte?
Zu hohe Lipoprotein-a-Werte können auf ein nephrotisches Syndrom, Harnvergiftung (Urämie), Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten.
QUELLE: DR. MED. MBA LL.M. MBP FSCAI HUBERT WALLNER
